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INTERVIEW MIT TRAINER KYRILL

DER MANN HINTER DEM PLAN

Kyrill Oliynyk
Kyrill Oliynyk
TRAINER & MANAGER
ÜBER DEN WEG DES TRAINERS
Wie wurden Sie Annabells Trainer? Wie begann Ihre Zusammenarbeit?
Kyrill OliynykDas war 2008, in einer völlig anderen Sportart — Volleyball. Ich habe mein ganzes Leben parallel in zwei Richtungen gearbeitet und schon damals viele Nuancen und Talente erkannt.
Erinnern Sie sich an das erste Training mit ihr? Was ist Ihnen damals aufgefallen?
Kyrill OliynykIch erinnere mich genau. Sehr viel Wille, volle Hingabe. Dieses Kind war bereit, in der Halle zu leben. Und auch wenn es für den Profi-Volleyball am Ende objektiv nicht für die Körpergröße reichte — für uns beide wurde daraus ein enormer Glücksfall, der den Weg in den Kampfsport öffnete.
Was hat sich an Ihrem Trainingsansatz über die Zeit verändert?
Kyrill OliynykZuerst änderte sich die Sportart und Annabells Alter. Wir haben die gemeinsame Arbeit nach einer langen Pause wieder aufgenommen, als sie mit 23 Jahren zu den Kampfdisziplinen kam — nach einer langen, schweren und psychologisch komplizierten Pause im Leben.

Aber die Herangehensweise an talentierte junge Frauen unterscheidet sich bekanntlich stark. Ich analysiere immer die physiologischen und psychologischen Besonderheiten eines Menschen, um sein Potenzial und seine Entwicklungskurve genau zu berechnen. Und trotz dieser schwierigsten Phase hat Annabell ihr gewaltiges Potenzial und ihren inneren Kern nicht verloren. Ich habe sofort einen klaren, langfristigen Sieben-Jahres-Plan für ihre Entwicklung im Kampfsport aufgestellt, und dieser Plan wird bis heute konsequent umgesetzt, ohne ein einziges Mal geändert worden zu sein.
An welchem Punkt Ihres anfänglichen Sieben-Jahres-Plans für Annabells Entwicklung stehen Sie gerade, und was ist sein Endpunkt?
Kyrill OliynykWir nähern uns jetzt dem Äquator dieses Plans. Die Phase des "Einspielens", der Gewöhnung an alte Muster und des Sammelns von Basis-Boxerfahrung liegt praktisch hinter uns. Ihr körperlicher und psychischer Zustand ist stabilisiert, ihre Funktionalität auf Spitzenniveau gebracht.

Die nächste Etappe ist ein kontrollierter Sturm auf die Gipfel. Ich betone: kontrolliert, kein chaotisches "aus dem Stand in den Galopp". Der Endpunkt meines Plans hat sich nicht geändert. Das ist absolute Dominanz in der Gewichtsklasse und Weltmeistertitel. Wir liegen genau im Zeitplan, ohne Hektik.
ÜBER METHODIK UND PHILOSOPHIE
Was unterscheidet Ihre Methodik grundlegend von der im Boxen üblichen?
Kyrill OliynykMeine Trainingsmethoden unterscheiden sich grundlegend von den westeuropäischen. Ich konzentriere mich nicht darauf, einen Roboter-Menschen zu formen, der alle Elemente einer Sportart auf durchschnittlichen 60% ausführt, wie es in Westeuropa üblich ist. Ich baue eine Persönlichkeit auf, indem ich die größten, stärksten Talente eines Menschen bis an die absolute Grenze entwickle. Der Rest läuft nebenbei mit, auch wenn diesen Aspekten durchaus viel Zeit gewidmet wird. Ein Kämpfer muss vor allem verstehen und fühlen, was er tut — und dafür braucht es Zeit.
Was ist Ihnen wichtiger — Technik oder Charakter eines Kämpfers? Kann man Charakter trainieren?
Kyrill OliynykMit hervorragender Technik, aber ohne Charakter, kann man eine Zeit lang gewinnen — bis eine Gegnerin kommt, die einem noch vor dem Kampf die Psyche bricht. Mit Charakter und ohne perfekte Technik kann man praktisch gegen jeden gewinnen: Das haben George Foreman, Vitali Klitschko und andere berühmte Kämpfer bewiesen.

Frauenkämpfe sind ohnehin eine Lotterie, denn es hängt weniger von der technischen Komponente ab als von der Tagesform. Innerhalb eines Tages kann sich der psychische Zustand einer Kämpferin dutzende Male vom Nordpol zum Südpol verschieben. Und wenn sich innerlich ein Drama abspielt, hilft keine Technik mehr. Aber Charakter hilft — er verbannt dieses Drama in die entlegensten Winkel der Seele und zwingt zur Arbeit.
Gab es Momente, in denen Sie gezweifelt haben — an ihr, an sich selbst, am gewählten Weg?
Kyrill OliynykWenn ich auch nur den geringsten Zweifel gehabt hätte, hätte ich gar nicht erst angefangen. Ich habe so viele professionelle Sportlerinnen ausgebildet, dass ich mir vollkommen sicher sein kann. Das ist keine Angeberei, sondern eine Tatsache — es gibt Statistiken. Und an meinen Kämpferinnen zweifle ich nie.
Der Übergang von K1 und MMA zum klassischen Boxen ist ja nicht nur ein Regelwechsel, sondern völlig andere Biomechanik. Bei vielen Athleten dauert das Jahre. Mit welchen physiologischen Hauptschwierigkeiten hatten Sie bei der Umstrukturierung von Annabells Basis zu kämpfen?
Kyrill OliynykEine Kämpferin mit einer Basis von 100+ Kämpfen in anderen Disziplinen umzustrukturieren, ist eine gewaltige Arbeit. Praktisch muss man das Muskelgedächtnis brechen, die Beinarbeit komplett neu aufbauen, den Schwerpunkt verschieben und die Energieversorgung anpassen. Eine Runde im Boxen dauert kürzer, aber die Arbeitsdichte und das Tempo sind viel höher. Man muss dem Körper beibringen, die gesamte Sprengkraft aus dem K1 über eine harte Rumpfarbeit und korrekte Gewichtsverlagerung in den Boxschlag zu legen, ohne sich dabei für Konter zu öffnen.

Da Boxen aber schon immer eine führende Rolle in meinen Zukunftsplänen spielte, habe ich die Grundlagen dieser Elemente von Beginn unserer gemeinsamen Arbeit an eingeführt, damit der Übergang schnell und schmerzlos verläuft. Und genauso ist es auch gekommen.
DIE PROVOKANTE FRAGE
Aufdringliche Ungeduldige fragen Sie sicher nicht selten: Wann kämpft ihr endlich gegen echte Gegnerinnen? Was antworten Sie ihnen?
Kyrill OliynykEhrlich gesagt, diese Frage geht mir mittlerweile auf die Nerven. Ich sage es direkt: Annabells erste Kämpfe im Profiring waren wichtig für den Szenenwechsel und die Anpassung. Vergessen Sie nicht: Sie kam aus dem Kickboxen, MMA und Bare Knuckle, wo sie insgesamt über 100 Siege errungen hat, davon über 70 durch K.o. Aber klassisches Boxen gab es in ihrer Karriere vor dem Wechsel ins Profilager nicht in großem Umfang.

Wir mussten uns schlicht umstellen: das barfüßige Arbeiten abgewöhnen, die Reflexe auf Tritte, Ellbogen- oder Knieschläge blockieren, uns an die Boxdistanz gewöhnen. Einen Weltstar mitten in dieser Umstellungsphase herauszufordern hätte garantiert einen automatischen, reflexartigen Regelverstoß bedeutet — sich blamiert und sich für immer gebrandmarkt. Das wäre rein mechanisch passiert, ohne jede Hintergedanken. Aber auch dieser Prozess war von vornherein geplant. Mein Ziel war nicht, die Kämpferin zu brechen und neu zusammenzusetzen, sondern das Raubtier zu bewahren, das Annabell bereits geworden war — ihr nur eine andere Waffe zu geben.

Danach kommen taktische Elemente und natürlich Verhandlungen. Ich sage es vorsichtig: Lügen, Unverschämtheit, extrem überzogene Forderungen oder offene Angst — das begegnet uns ständig. Und die Frauen, die bisher gegen Annabell in den Ring gestiegen sind — alle Achtung. Sie haben nicht gelogen, nicht unverschämt agiert und keine Ausreden gesucht. Sie waren bereit, hier und jetzt zu kämpfen. Diese Einstellung verdient Respekt.

Also werden wir gegen alle kämpfen, die bereit sind, gegen uns in den Ring zu steigen — ohne höhere Gagen zu verlangen, als Männer verlangen. Gegen alle, die nicht drei Tage vor dem Kampf verschwinden und die Telefone ausschalten. Gegen alle, die nicht verlangen, dass für unser Geld eine dreißigköpfige Entourage zum Kampf eingeflogen wird.
Das Frauen-Schwergewicht im Profiboxen ist eine einzigartige und komplizierte Gewichtsklasse. Wie schätzen Sie die aktuelle Landschaft in dieser Klasse ein, und wie schwer ist es, Gegnerinnen zu finden?
Kyrill OliynykIch habe es schon mehrfach gesagt: Wir sind bereit, gegen jede der Top Zehn zu kämpfen. Aber die Industrie und die Manager mancher Gegnerinnen bremsen den Prozess künstlich aus, weil sie verstehen — Annabell wird vernichten wollen, nicht Boxen imitieren. Sie schalten ihre Telefone erst ein, wenn sie von sagenhaften Gagen hören, die höher sind als bei Männern. Uns interessieren in erster Linie diejenigen, die noch sportlichen Charakter haben, nicht nur den Wunsch, an einer Niederlage zu verdienen.

Es gibt auch eine politische Komponente. 95% der potenziellen Gegnerinnen befinden sich auf anderen Kontinenten und haben nach eigenen Worten keine Möglichkeit, ein EU-Visum zu bekommen. Aber auch hier sind wir bereit, entgegenzukommen, zum Beispiel eine offizielle Einladung auszustellen. Und hier liegt das Paradox: Sobald wir das offen ansprechen, verschwinden unsere Gesprächspartner plötzlich rapide.
WEITERE UNBEQUEME FRAGEN
Manche sagen, Frauenboxen sei kein "echtes" Boxen. Was denken Sie darüber?
Kyrill OliynykManchmal wird man beim Zuschauen eines Boxkampfs unter Männern regelrecht müde. Frauen zeigen im Gegensatz zu Männern keine Schwäche — sie haben den Wunsch, die Gegnerin zu "bestrafen", im Blut. Frauen kämpfen also mit ganzem Herzen. Ja, manchmal wirkt es eher wie eine Schlägerei, aber genau darin liegt die Spannung und der Reiz des Frauenboxens.
Manche meinen, hinter solch schnellen K.o.s stecke Glück, nicht Können. Wie kommentieren Sie das?
Kyrill OliynykDarauf gebe ich eine einfache Antwort: Schauen Sie sich Annabells Statistik in den Amateurdisziplinen an, vor allem die Anzahl der K.o.-Siege. Wenn all diese K.o.s — aktuell über 80 — reines Glück wären, hätte sie längst alle Lottoscheine der Welt kaufen und alle Jackpots gewinnen müssen.
ÜBER ANNABELLS PERSÖNLICHKEIT
Wie ist sie außerhalb des Rings — die Annabell, die nur Sie sehen?
Kyrill OliynykEine Profi bis in die Knochen und einer der verantwortungsbewusstesten Menschen, die ich kenne.
Gibt es einen Moment in ihrer Karriere, auf den Sie besonders stolz sind?
Kyrill OliynykIch bin auf jeden ihrer Kämpfe stolz. Anders geht es gar nicht.
ÜBER DIE DUALITÄT
Die Website nennt sie "zwei Welten, ein Charakter". Sehen Sie diese Zweiteilung auch im Leben, nicht nur im Ring?
Kyrill OliynykIch sehe das täglich, manchmal wechseln sich diese Welten innerhalb von fünf Minuten dutzende Male ab. Und das ist das Wertvollste daran — genau diese Eigenschaft schafft eine starke, vielschichtige Persönlichkeit und eine universelle, unberechenbare Kämpferin.
ÜBER DIE ZUKUNFT UND DIE FANS
Wie stehen Sie zu Leuten, die mit Boxern ewig unzufrieden sind?
Kyrill OliynykDeutlich unzufriedene Personen sind in der Regel Fans anderer Sportler. Grundsätzlich sind Zuschauer immer mit irgendetwas unzufrieden: Man murrte über Mike Tyson, über Wladimir Klitschko und über Shannon Briggs, jetzt murrt man über Tyson Fury und Oleksandr Usyk. Das ist normal — Menschen zahlen nicht wenig Geld, um einen Kampf live zu sehen, und haben jedes Recht, ihre Meinung zu äußern, wenn das Spektakel ihre Erwartungen nicht erfüllt hat.
Professioneller Sport ist heute ohne kommerzielle Komponente undenkbar. Wie offen sind Sie für Kooperationen mit großen Marken, Sendern, und was kann "Team Honert" Sponsoren bieten?
Kyrill OliynykWir sind offen für alle, die den Nutzen langfristiger Investitionen verstehen. Annabell ist nicht einfach nur eine Sportlerin, sie ist ein fertiges, einzigartiges Medienprodukt. Die Dualität ihres Lebens ("zwei Welten, ein Charakter") ist eine Geschichte, die Medien und Marken sehen wollen. Wir bieten Sponsoren und dem Fernsehen kein tristes "Fechten" aus drei Elementen, sondern garantierte Einschaltquoten, volle Hallen und eine wirklich mitreißende Show, die sich von selbst verkauft.

Was wir aber definitiv nicht tun werden, ist betteln, uns aufdrängen und lautstark irgendetwas fordern. Marken, die ihr Geschäft professionell angehen und gute Renditen erzielen wollen, werden von selbst alles erkennen. Sie werden vor allem sehen, dass der Name Annabell Honert nicht durch lautstarke Rufe von Promotern, nicht durch überzogenes Selbstbewusstsein und nicht durch alte Kontakte zu dieser oder jener Föderation gestützt wird, sondern durch einen vollständig autonomen, modernen und absolut professionellen Zugang zu ihrem Geschäft — angefangen bei der Präsenz im Internet und einer der modernsten Websites von Sportlerinnen weltweit, bis hin zu einer völlig einzigartigen Geschichte.
Wenn Sie in einem Satz erklären müssten, warum man Annabells Karriere verfolgen sollte — was würden Sie sagen?
Kyrill OliynykAllein schon deshalb, weil Annabell aus jedem ihrer Auftritte eine grandiose Show macht. Das war schon immer so: Schon ganz am Anfang ihres Weges hatte sie vor niemandem Angst und ging immer volles Risiko.

Heute ist Annabell eine der wenigen Vertreterinnen des Frauenboxens, deren Kämpfe wirklich sehenswert sind. Das Publikum liebte sie in K1 und MMA, die Halle liebt sie auch jetzt, weil sie dem Publikum genau die echten Emotionen liefert, für die sie ihre Tickets kaufen. Dieser Ansatz interessiert auch das Fernsehen, die Werbetreibenden und die Fans.

Warum mag man in den USA das klassische europäische Frauenboxen nicht? Weil es oft eine Mischung aus Fechten und Gesellschaftstanz ist, garniert mit akademischer Technik des Junioren-Boxens aus der vergessenen UdSSR. In den USA zum Beispiel ist so etwas inakzeptabel. Man braucht dort keine perfekte Ordnung, man interessiert sich nicht für eine staatlich vorgeschriebene Fußstellung auf den Millimeter genau. Man will einen Kampf sehen, keine Konstruktionsstunde. Und deshalb werden Sie so etwas bei Annabell garantiert nicht sehen. Sie werden echte, kompromisslose Kämpfe erleben — genau dafür kommen die Menschen zum Boxen.
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